|
Wolltest du schon immer Schauspieler werden?
Nö. Das kam so ab der elften, zwölften Klasse. Ich weiß gar nicht, ob das hier rein darf, aber ich war auf der Waldorfschule (grinst). Da spielt man ja viel Theater und irgendwann wusste ich, dass es das Richtige für mich ist. Viele sagen ja, dass sie schon mit drei Jahren wussten, dass sie Schauspieler werden wollen. Das trifft bei mir nicht ganz zu. Ich habe auch mal gezaubert und jongliert und bin Einrad gefahren und solche Sachen.
War deine Familie damit einverstanden?
Ja, meine Familie hat mich unterstützt. Meine Mutter wollte Schauspielerin werden, hat aber uns Kinder dann bekommen und mein Vater ist Musiker. Passt also alles zusammen.
Ist dein Beruf so, wie du ihn dir vorgestellt hast?
Schwierige Frage…Ich weiß es gar nicht…Naja, teilweise geht der Spaß ein bisschen flöten. Es ist anders, als wenn man es nur als Hobby macht. Teilweise ist es nicht so einfach. Man muss immer mit jedem Regisseur, mit jedem Kollegen auskommen. Und ein bisschen wenig Geld…Ja, ein bisschen wenig Geld. Aber ist trotzdem ein schöner Beruf, den ich nur weiterempfehlen kann.
Vor- und Nachteile?
Man ist nie wirklich fertig. Es gibt kaum Feierabend. Der Beruf ist ziemlich einnehmend, weil man ständig in sich drinnen an seinen Rollen arbeitet und sowohl tagsüber als auch nachts darüber nachdenkt. Das kann ein Vorteil, aber auch ein Nachteil sein. Man probt ständig, morgens und abends. Man hat ein bisschen wenig Freizeit. Aber man ist frei. Man hat keinen richtigen Chef der einen immer knechtet.
Welchen Monolog hast du bei deiner Aufnahmeprüfung Vorgesprochen?
Unterschiedliche. Ich habe ja auch öfters vorgesprochen. In Berlin, in Leipzig, in Essen, in Hannover, in Bochum, aber da ist es nie bis zum Ende gekommen. Bei den ersten bin ich nicht genommen worden und ich musste mich dann entscheiden ob ich zur Endrunde nach Bochum oder nach München gehe. Und ich bin dann zur Otto-Falckenberg-Schule nach München. Da hab ich vorgesprochen von Süßkind der Kontrabass, von Gehart Hauptmann den Arnold (aus Michael Kramer) und Truffaldino von Goldoni. Oder? Goldoni, ist doch von Goldoni? Schau ich noch mal nach. Es gibt eben so Sachen die gerne genommen werden.
Du musstest auch etwas Selbstgeschriebenes vortragen? Was war das?
Ich habe so eine Szene aus dem Gefängnis vorgespielt. Irgendwas mit Drogen. Ich hab welche verkauft, bin dann geschnappt worden und reg mich dann darüber auf, dass irgendwie nur die kleinen Fische geschnappt werden. Aber das ist egal, was man da vorspricht. Da kann man auch „Alle meine Entchen“ neu vertonen.
Wie bereitest du dich auf deine Rollen vor?
Hm…sehr unterschiedlich. Meistens in Zusammenarbeit mit dem Regisseur. Dann natürlich ganz oft das Stück lesen und sich Gedanken machen. Außerdem noch, je nach Stück, Hintergrundmaterial durchlesen. Oder einfach Kaffee trinken gehen und Leute beobachten, bei denen man denkt: So könnte die Figur auch sein.
Bringst du bei Aufführungen eigentlich auch mal Texte von verschiedenen Stücken durcheinander?
Eigentlich nicht. Nee. Die Rollen sind so verschieden. Also mir ist das zumindest nie passiert.
Dann kommt das Essen. Es folgt ein längeres Gespräch über selbiges und das Picknick im Parkhaus, das wir heue schon erleben durften. Diese Stelle überspringen wir mal.
Kannst du dir deine Rollen selbst aussuchen?
Meistens wird das von den Dramaturgen festgelegt. Es kommt auch vor, dass die Stücke nach den Schauspielern, die am Theater sind, ausgesucht werden. Es kommt auch mal vor, dass man Rollen ablehnt; habe ich aber noch nicht erlebt. Aber eigentlich muss man laut Vertrag das spielen, was sie einem geben.
Was ist deine Lieblingsrolle? Können auch mehrere sein.
Welche ich schön finde ist in Peter Handkes „Zurüstungen für die Unsterblichkeit“ der Felipe. Der ist körperlich behindert, aber im Geiste total fit. Das hab’ ich früher mal in der Schule gespielt. Aber so Lieblingsrolle… den Werther find ich schön… Der Ferdinand von „Kabale und Liebe“ ist auch toll, oder Malvolio…
Und dein Lieblingsstück?
„Kunst“ mag ich sehr gerne, das ist von Yasmina Reza. Das geht um drei Männer. Der eine hat sich ein weißes Bild gekauft und die drei diskutieren nun darüber. Zwischenzeitlich zerbricht deshalb fast die Freundschaft der Drei an diesem Bild. Am Ende kann die Freundschaft aber dann doch wieder hergestellt werden. Ich mag solche absurden Stücke.
Hast du Vorbilder?
Nein, eigentlich nicht. Es gibt viele Schauspieler, die ich sehr gerne mag. Sean Penn zum Beispiel, oder Al Pacino. Da kann man ja viel von lernen. Oder Götz George ist ein guter Schauspieler. Aber Sean Penn schau’ ich schon immer wieder gerne zu.
Und was hättest du gemacht, wenn du nicht Schauspieler geworden wärst?
(Maureen: Feuerwehrmann?) Jaja, und Lokomotivführer. Naja, eigentlich wäre ich auch gerne Tischler geworden oder irgendwas mit Menschen. Kindergärtner oder so.
Welche Pläne hast du für die Zukunft?
Superstar werden! (lacht) Nee, also auf alle Fälle weiter Theater spielen. Wenn möglich mit tollen Kollegen und Regisseuren zusammen arbeiten. Die kann man sich ja auch nicht aussuchen. Und eigentlich auch Filme machen, aber das klappt zeitlich, wegen dem Theater immer so schlecht. Ich würde gerne beides miteinander vereinbaren.
Gibt es ein Theater wo du schon immer mal spielen wolltest?
Ja, es gibt tolle Häuser, z.B. in Berlin, das Deutsche Theater. Da gehe ich immer wieder gerne hin. Da habe ich schon sehr viele schöne Sachen gesehen. Zum Beispiel Ambrosia von Roland Schimmelpfennig oder Emilia Galotti (Regie: Michael Thalheimer). Ambrosia wurde von Jürgen Gosch inszeniert, der zur Zeit mein Lieblingsregisseur ist. Ich könnte mir natürlich vorstellen, hier mal weg zu gehen. Das bringt der Beruf einfach so mit sich.
Hast du dir eigentlich mal überlegt Musicals zu machen?
Nee, eher nicht (grinst). Gesangsabend schon, aber Musical nicht. Ich bin eigentlich kein Tänzer.
Gibt es einen Film in dem du gerne mitgespielt hättest?
Hmm, wo isn die geilste Frau? (lacht) Nein, schreib das bitte nicht auf! (Max hat es doch aufgeschrieben ...=) ) Natürlich gibt’s welche… naja, wo muss man denn unbedingt mitgespielt haben? Ich weiß, was ich nur ungern machen würde: Soaps und Telenovelas! Bei Magnolia hätte ich gern mitgespielt. Aber so was darf man nicht sagen, da halten mich ja alle für wahnsinnig. Mal lieber ein bisschen tiefer stapeln, so „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“. (lacht)
Was war bisher dein peinlichstes Erlebnis?
Da war ich noch im Kindergarten. Da hab ich ne Frau gesehen, die hatte den Mantel von meiner Mutter an und da bin ich auf sie zu gerannt und hab sie umarmt. Da war mir etwas zum ersten Mal so richtig peinlich.
Hast du eine besondere Angewohnheit? Außer rauchen. Wieso rauchst du? Das ist so furchtbar!
Ich hab auch schon probiert aufzuhören, hab dann aber wieder angefangen. Aber ansonsten, ich pule immer mit dem Finger meine Lippe blutig. Das mach ich bestimmt seit zwanzig Jahren. Ich kann mir das einfach nicht abgewöhnen. Ich weiß! Schreibt: Wie verrückt die Oberlippe verhunzen.
Was ist dein Lieblingsessen?
Fisch esse ich gerne.
(Außerdem kommt es an dieser Stelle noch zu einer Diskussion über österreichische Spezialitäten.)
Ich bin mehr so der salzige…(scharf oder weniger) mittelscharf.
(das muss man jetzt nicht verstehen, Maureen ist wieder mal mit beiden Beinen mitten in einen gigantischen Fettnapf gesprungen: „Bist du der Süße oder der Scharfe?“)
Wisst ihr was, schreibt Schlemmerfilet mit Kartoffeln und Remoulade. Remoulade ist ganz wichtig!
Wen würdest du gerne mal treffen?
Mozart! Ich denke, wenn es Mozart nicht gegeben hätte, wäre das Leben nur halb so schön. Ich wüsste aber gar nicht, was ich sagen sollte.
Was machst du in deiner Freizeit?
Mundharmonika spielen, in der Stadt rumlatschen, Kaffee trinken und natürlich das Fräulein treffen. Also meine Freundin. Früher bin ich viel Skateboard gefahren, aber das geht jetzt kaum noch.
Lieblingsfarbe?
Blau? Ich bin mir da nie so sicher …
Wenn du ein Auto wärst, welches wärst du dann?
Ein Trabbi Cabrio.
Wiesbaden, 20.10.2007
|